Neue Räume für immer mehr Kinder in Oswathini

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Dank der Spenden, die bei der diesjährigen Sozialaktion des Berufskolleg Technik in Siegen zusammen gekommen sind, konnte Ekukhanyeni für die mittlerweile über 50 Kinder im Kindergarten Oswathini einen weiteren Neubau errichten und ausstatten.

Wieder einmal ist die Zeit wie im Flug vergangen und ein Bericht über das, was seit meiner Rückkehr nach Südafrika geschehen ist, längst überfällig.

Seit Ende Februar bin ich zurück, und es stürzten gleich 1.000 Dinge auf mich ein, die zu erledigen waren. Doch nichts ist hier in Afrika mal eben getan.

Aber ich werde mit dem Flug beginnen: Nach einer wirklich sehr arbeitsintensiven Winterzeit in Deutschland, in der ich viele Vorträgen gehalten, ein Benefizkonzert organisiert, Werbung gemacht, Spendenbescheinigungen und Weihnachts-Dankes-Briefe versendet, eine Mitgliederversammlung und private Dankesbesuche abgehalte, und mittendrin natürlich auch mit der Familie Weihnachten und Neujahr gefeiert habe – habe ich mich auf einen ruhigen Rückflug gefreut. Natürlich bin ich auch immer ein wenig wehmütig, weil das auch Abschiednehmen von meinen Kindern, Enkeln und der Familie bedeutet. Das tut immer weh. Aber alles hat seine Schatten- und seine Sonnenseiten. Wenn ich dann im Flugzeug sitze, liegt alles was ich geschafft oder nicht erledigt habe, hinter mir und was in Afrika auf mich zukommt, weiß ich noch nicht. Dann fühle ich mich frei und kann relaxen; der Flug könnte dann für mich eine Woche dauern …

So war es auch diesmal: Als ich am Frankfurter Flughafen meine 8 kg Übergewicht (!) aus meinem sorgsam gepackten Koffer aussortiert und ausgeräumt hatte (es gelten ständig neue Regeln), erhielt ich als Vielflieger zum ersten Mal ein kostenloses Upgrade in die Business Class. Es war fantastisch! Ruhig und so bequem, dass ich sofort nach dem Abendessen eingeschlafen bin. Und ich habe den gesamten Flug geschlafen – und bekam weder Dessert noch Frühstück noch die vielen anderen Annehmlichkeiten dieser Klasse mit! Doch dafür kam ich ausgeruht in Dubai an. Auf dem Flug von Dubai nach Durban gab es keine Ruhe mehr.

In Durban wurde ich von meiner südafrikanischen Freundin abgeholt. Sie hat die stressige Zeit in Deutschland mitverfolgt und mir erst einmal 2 Nächte an der Küste „verordnet“, zum Ausruhen und Akklimatisieren. Von minus 7 Grad auf plus 35 Grad
ist auch nicht so einfach zu verarbeiten. Dann ging es Richtung Heimat: Ich lebe hier ja in einem Cottage auf einer Farm. Von den Farmersleuten wurde ich liebevoll begrüßt, mit 1.000 Fragen, einer blitzblanken Wohnung, gefülltem Kühlschrank, leckerem Obstkorb, einem herrlichen Blumenstrauß. Ich war sehr gerührt, das ist ein Zuhause-Gefühl!

Am nächstens Tag ging es gleich in das Geschäft, indem ich immer etwas Geld für die Zeit meiner Abwesenheit hinterlasse. Dafür dürfen die Betreuer und Lehrer meiner Creches dort einkaufen gehen, die Studenten können sich ihre monatliche Unterstützung abholen. Der Ladenbesitzer führt genau Buch, wer was einkauft und abholt, was für mich eine sehr große Hilfe ist. Im Notfall habe ich sogar schon Kredit dort. Und wenn es mal Ungereimtheiten gibt, kann ich die sogar von Deutschland aus per Whatsapp klären. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, denn einige meiner Betreuer können nicht gut mit Geld umgeben, deshalb gebe ich es nicht gerne für 3 Monate im Voraus, das ginge nicht gut…

Und dann ging es erstmal zu meinen Creches. Dort erwartete man mich bereits sehnsüchtig – ganz besonders in Oswathini. Denn hier war während meiner Abwesenheit einiges geschehen. Doch dazu muss ich nun etwas weiter ausholen und erst nochmal ins Jahr 2017 zurückgehen:

Ekukhanyeni bewirbt sich für Sozialaktion des Berufskollegs

In Oswathini habe ich ja 2016 meine erste eigene Tagesstätte auf eigenem Grundstück errichtet, für damals 30 Kinder. Wenige Monate nachdem der Bau fertig war, kamen bereits 43 Kinder regelmäßig – das neue Gebäude war also schon zu klein! Doch was tun? Finanziell gesehen konnte ich nicht schon wieder bauen oder anbauen. Wir hatten ja gerade erst alle Rücklagen in den ersten Bau gesteckt. Zu genau dieser Zeit, als wir überlegten, wie wir die vielen Kinder unterbringen können, bekam ich eine E-Mail vom Berufskolleg Technik in Siegen. Jedes Jahr wird vom Kolleg ein neues Sozialprojekt ausgewählt, das sie unterstützen. Ich wurde eingeladen, mich – neben 2 weiteren Organisationen – für diese Unterstützung zu bewerben. In einem längeren Auswahlprozess sollte dann eines der drei Projekte ausgewählt werden. Da das Berufskolleg Technik ca. 4.500 Studenten und 186 Lehrkräfte hat, und somit die Spende, die zu erwarten wäre, nicht klein sein kann, bin ich natürlich „mal eben“ nach
Deutschland geflogen, um unseren Verein Ekukhanyeni persönlich vorzustellen. Ich war sehr aufgeregt, habe gekämpft und wirklich, ich konnte mein Glück nicht fassen, habe gewonnen, wurde ausgewählt! „Gott sei Dank!“

Das war bereits im Herbst 2017, doch ich konnte und wollte noch nichts davon erzählen, da ich wusste, dass es die Spendengelder erst zu einem späteren Zeitpunkt geben würde.

Zurück in Afrika sprach ich mit den Betreuern und dem indischen Bauunternehmer Ritesh, der das erste Gebäude errichtet hatte, über einen Anbau oder Neubau von mindestens 2 Räumen. Alle waren begeistert und Ritesh wollte sofort starten, auch weil er gerade kein anderes größeres Projekt hatte. Hier in Afrika muss man eine solche Gelegenheit beim Schopf packen, die Uhren ticken hier anders und man darf nichts auf Morgen schieben. Da er beim ersten Bau gute Arbeit geleistet hatte, was auch nicht selbstverständlich ist, habe ich mutig mein Ok gegeben, aber ihm auch gesagt, dass ich noch nicht bezahlen kann. Er sagte nur: „Zahle wenn du kannst!“ Das war ein großer Vertrauensvorschuss, denn ich wusste ja auch nicht, wie viel ich zu erwarten hatte …

Ritesh schaffte es tatsächlich, bis November den Rohbau zu errichten und auch das Dach aufzuschlagen, rechtzeitig bevor die Regenzeit begann. So konnte ich mit ruhigem Gewissen für die Weihnachtszeit zurück nach Deutschland fliegen.

Dort habe ich im Berufskolleg über zwei Wochen jeden Tag 3 bis 4 Vorträge vor Studenten verschiedener Klassen gehalten und meinen Verein und meine Arbeit vor Ort vorgestellt. Für die Studenten war dies jeweils eine Pflichtveranstaltung. Aus den Vorträgen im Kolleg ergaben sich weitere Kontakte und Vorträge, die die Studenten in die Wege leiteten. So durfte ich Ekukhanyeni z.B. noch bei einer renommierten Firma vorstellen (die hier nicht genannt werden möchte). Sie hat kurze Zeit darauf den gesamten Erlös aus der Weihnachts-Tombola unserem Verein gespendet. Auch dafür an dieser Stelle nochmals meinen herzlichsten Dank!

Der Erlös aus diesen Veranstaltungen war im Januar schon so hoch, dass ich meinem
Bauunternehmer von Deutschland aus grünes Licht für den Weiterbau geben konnte.

Nun aber zurück zu meinem ersten Tag in Oswathini…

Die Betreuerinnen waren gespannt auf meine Reaktion. Denn in den 2,5 Monaten meiner Abwesenheit wurde der Neubau innen und aussen verputzt, alles gestrichen, Fenster und Türen eingebaut, die Dachrinne installiert, der Estrich gegossen und das Grundstück schließlich wieder sauber und ordentlich gemacht, da die Kinder ja während der Bauzeit nicht draußen spielen konnten. Es war perfekt !

Genug Platz für einen Klassenraum und die Betreuung traumatisierter Jugendlicher

Das neue Haus hat 2 größere und 2 kleinere Räume. Jetzt können wir die Kinder endlich nach Alter trennen und für die großen sogar einen eigenen Klassenraum einrichten. Die Betreuerin Zandile wird Ende 2018 wahrscheinlich ihren Abschluss als Lehrerin für die erste Klasse machen – und kann dann hier unterrichten.

Ein kleiner Raum wird als Schlafraum für die ganz Kleinen genutzt. Den anderen werden wir noch zum Büro und Betreungsraum für traumatisierte Jugendliche einrichten. Dazu fehlt aber noch die Ausstattung: von Teppichen über Tische, Stühle, Schreibtische, Papier, Bleistifte bis hin zu einem Drucker.

Mit den Spendengeldern konnten wir für draußen aber schon ein kleines „Jungle Gym“ anschaffen – ein Spielgerät zum Klettern, Schaukeln und Rutschen. Das ist schon seit langem mein Wunsch für die Kinder, wobei ich mir eigentlich ein großes aus Holz vorstelle,  aber noch niemanden gefunden habe, der mir dieses bauen kann. Dennoch: Die Kinder sind begeistert und das ist, was zählt.

Sogar kleine Obstbäume haben wir schon gepflanzt: Zitronen, Mandarinen, Orangen, Tree-tomatos, Papayas, Guaven und sogar Granatäpfel. Ich hoffe, sie wachsen alle an…

Meine Farmerin ist Künstlerin, mit ihrer großartigen Hilfe haben wir jetzt beide Häuser sehr kunstvoll und kindgerecht bemalt. Auf den Bildern könnt ihr sehen, wie schön es geworden ist. Nun wolle alle Kinder aus der Umgebung in diesen Creche…

Ein Schreibtisch, ein richtiger Ofen und sogar eine dritte Betreuerin

Im Januar haben wir uns in Oswathini von 15 Kindern verabschiedet, die in die Schule gekommen sind. So waren es kurzzeitig rund 30 Kinder, doch mittlerweile sind es sage und schreibe 53 Kinder, die täglich zu uns kommen und sich in den neuen Räumen sehr wohl fühlen.

Aufgrund der stetig wachsenden Zahl an Kindern, brauchte es neben den zwei langjährigen Betreuerinnen Margret und Zandile auch dringend eine dritte Vollzeitbetreuerin. Seit kurzem unterstützt uns nun Koshle, eine junge, bisher arbeitslose Frau. Sie ist selber Waise und sehr kinderlieb.

Seit Mai gibt es auch einen richtig großen Ofen anstatt des bisherigen 2-Platten-Kochers. Wieder brauchte ich einen Pick-up und 3 Männer mit Zeit, die das Monstrum mit mir geholt und aufgestellt haben. Zwar ist der richtige Stromanschluss noch nicht da, aber auch das schaffen wir noch – mit etwas Geduld.

Margret hat mit dem gleichen Transport einen großen Schreibtisch bekommen, sie ist ganz glücklich, da er sechs Schubladen hat, in denen sie alles aufräumen kann. Auf der großen Tischplatte können die Kinder jetzt ihre Zeichnungen ausbreiten und Gebasteltes presentieren.

Beim Transport der Kinder helfen uns mittlerweile zwei Männer mit alten Autos – das macht vieles einfacher. Natürlich bekommen alle diese Helfer von EKUKHANYENI auch eine kleine finanzielle Unterstützung. So haben wir ganz vielen Menschen hier in Oswathini zu einem kleinen Einkommen verholfen. Es macht uns allen richtig Spaß und es funktioniert wirklich gut. Ein richtig kleiner Betrieb, ein Vorzeigeprojekt….

Das Alles kann und konnte aber nur erreicht werden durch Eure großzügigen Spenden. Nochmals an dieser Stelle vielen, vielen Dank an alle, insbesondere aber an das Berufskolleg Technik! Dies auch im Namen meiner vielen Kinder, der Betreuerinnen, der Studenten, und Allen die hier davon profitieren.

Ngiyabonga!

So weit an dieser Stelle erstmal zur aktuellen Situation in Oswathini. Ganz bald folgt dann mehr zu den anderen Creches!

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