Wie geht es weiter in Corona-Zeiten?

Hallo liebe Spender und Unterstützer meiner Projekte in Südafrika,

es wird dringend Zeit, dass ich Euch über die aktuelle Lage in Südafrika informiere.

Nachdem das Auswärtige Amt und das Konsulat in Pretoria mich aufforderten, das Land zu verlassen, damit die Ausländer während einer Pandemie den Südafrikanern nicht die wenigen vorhandenen Intensiv- betten belegen, gelang es mir, mit Gottes Hilfe, 4 Stunden vor dem Lockdown das letzte Lufthansa Flugzeug nach Deutschland zu erwischen. Andere Fluggesellschaften flogen schon nicht mehr und man hatte mir vorher schon 4 gebuchte Flüge wieder gecancelt. Es war gespenstisch und surreal.

Tausende Menschen hasteten auf dem Johannesburger Flughafen, ins Flugzeug hätte keine Maus mehr gepasst, und nix mit Abstandhalten oder Mundschutz… Diese Aktion ist eine Geschichte für sich und würde den Rahmen dieses Berichts sprengen.

Die konfusen Berichte, die mich vorher erreichten, betrafen nur China und 25 infizierte weiße Touristen, die zum Skifahren in Europa waren…“ die schwarze Bevölkerung betraf das nicht „…usw…

Mein Koffer schwirrt übrigens immer noch in der Coronawelt herum, wo keine Flugzeuge fliegen, kann er auch nicht kommen.

Die Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten sind seit dem Lockdown genauso geschlossen wie in Deutschland.

Das Ausgehverbot ist wesentlich strenger als bei uns. Die über 60-jährigen dürfen seit Wochen ihre Grundstücke nicht verlassen. Somit hätte auch ich nichts erreichen oder verrichten können.

Die Betreuerinnen unserer Kitas und die Lehrer der Schulen sorgen nun dafür, dass die armen Familien weiterhin mit Lebensmitteln und dem Nötigsten versorgt werden. Die Kinder leben momentan mit ihren Großmüttern, Tanten, Onkeln oder älteren Geschwistern. Leider sterben im Moment, im totalen Lockdown, mehr Menschen an Hunger, als am Corona-Virus. Ihre sowieso geringen Einnahmenquellen, falls sie welche haben, fallen weg und es gibt keine staatliche Unterstützung während dieser Pandemie.

Die letzten Tage in Südafrika waren sehr hektisch. In langen Schlangen mußte ich an Geldautomaten  warten, und noch schnell viele Lebensmittel einkaufen und verteilen. Denn, zusätzlich mußte ich viel Geld abheben und an sicheren Stellen deponieren, zum Beispiel im Spar-Supermarkt in Dalton, wo ich das ganze Jahr über einkaufe und großes Vertrauen zu dem weißen Besitzer Louis habe, der während meiner Abwesenheit auch die Einkäufe überprüft und genau Buch für mich führt. Unsere Betreuerinnen können sich auch ihren Lohn dort abholen, der soll weiterlaufen, denn ich möchte mich auch in Zukunft auf sie verlassen können. Sie haben keine sonstigen Einnahmen.

Ein anderer Teil des Geldes geht an die Schwestern in einem Kloster, die auch gleichzeitig Lehrerinnen sind oder waren. Daher kennen sie die meisten der Schüler und Studenten, die auch eine monatliche Unterstützung brauchen. Sie verwalten das Geld in meinem Sinne und geben es an sie weiter. Alles wird später ordentlich mit mir abgerechnet.

Über Whatsapp stehe ich ständig mit den Betreuerinnen, Lehrern, Schwestern und Studenten in Verbindung, so dass ich über die aktuelle Situation in SA immer auf dem Laufenden bin. Ohne Whatsapp wäre das gar nicht machbar.

Immer wieder werde ich gefragt, wann ich wieder nach SA zurückfliege : Sobald die Grenzen und der Luftraum wieder geöffnet sind und keine Gefahr eines erneuten Lockdowns besteht. Vorher ist es nicht möglich. Sollte die ganze Geschichte noch länger dauern, besteht auch die Möglichkeit, Geld an vertrauensvolle Personen nach SA zu überweisen.

Es läuft also „fast“ alles weiter wie bisher und niemand, der in meine Projekte involviert ist, muß Hunger leiden, und das ist neben der Gesundheit doch das Wichtigste.

Zum Schluß noch etwas sehr erfreuliches :

Am 13. Mai 2020 wurde in der Sendung des ARD  “ Verrückt nach Meer “ ein Bericht über unsere Projekte ausgestrahlt. Das war ein großer Erfolg für mich und unseren Verein EKUKHANYENI. Dem lieben Paar Erna und Christian Keil  bin ich für ihren Besuch in Oswathini unendlich dankbar und hoffe, dass wir in Verbindung bleiben. Es war ein sehr intensiver emotionaler Drehtag.

Der Filmbeitrag hat sehr viele positive Reaktionen bei den Zuschauern ausgelöst. Ich freue mich riesig hierdurch neue Mitglieder und Spender bekommen zu haben, ohne die ich meine Projekte weder vervollständigen noch erhalten könnte. Dafür bedanke ich mich ganz ganz herzlich bei ALLEN, kommt gesund durch diese Zeit, bis zum nächsten Mal.

Eure Helga

2 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank für diesen ausführlichen Bericht! Es ist sehr beruhigend das Sie alles so gut organisieren konnten. Meine absolute Hochachtung für dieses Engagement und weiterhin viel Kraft!
    Herzliche Grüße Monika Schiefer

  2. Auch ich habe heute die „Verrückt nach Meer“ Folge gesehen und sie hat mich sehr berührt! Die „Doku“ begleitet ja öfter Kreuzfahrer zu Hilfsprojekten auf der ganzen Welt. Dieser Beitrag ging mir sehr nah und ich habe mich wie viele andere auch über Ekukhanyeni informiert und bin froh, über Google fündig geworden zu sein! Einen Dauerauftrag habe ich bereits eingerichtet. Viel viel Glück auf diesem Wege!

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